Das Potenzial ausschöpfen
Sophia Rüter leitet das Marketing bei der Bernd Münstermann GmbH. Ihr beruflicher Werdegang beim Sonderanlagenbauer zeigt, was möglich ist, wenn man sich in einem starken Team weiterentwickelt – von der Auszubildenden zur Marketingleitung innerhalb von zehn Jahren.
„Relevanz von Marken in Industriegütermärkten“, so lautet der Titel ihrer Masterarbeit. Eine abgeschlossene Ausbildung zur Technischen Produktdesignerin und ihr Bachelor im Maschinenbau haben Sophia Rüter nicht gereicht. Deshalb entschied sie sich für ein MBA-Studium mit Schwerpunkt Marketing. „Ich habe schon während meiner Ausbildung gemerkt, dass ich auf Dauer nicht in der Konstruktion bleiben wollte. Ich wünschte mir mehr direkten Kundenkontakt, also habe ich mich für einen internen Wechsel bei Münstermann, zunächst in die Projektierung und dann in den Vertrieb, entschieden. Dabei wurde ich von allen Seiten unterstützt“, erzählt sie. Als dann die Leitung des Marketings intern ausgeschrieben wurde, hatte sie sofort viele Ideen im Kopf und hat sich beworben. „Obwohl ich ich schon zehn Jahre im Unternehmen bin, bin ich den regulären Bewerbungsprozess durchlaufen und musste für die Stelle überzeugen“, betont Sophia. In ihrer neuen Position kann die 28-Jährige ihr MBA-Wissen nun konkret für Münstermann anwenden. „Es zahlt sich jetzt doppelt und dreifach aus, dass ich mich für das Studium entschieden und so viel Zeit und Energie investiert habe“, freut sich Sophia motiviert.
Ihre Erfahrung als Auszubildende und duale Studentin half ihr schon in ihrer Vertriebszeit sehr. Für die Einarbeitung dort setzte Münstermann auf das Junior-/Senior-Modell, bei dem Sophia die ersten zwei Jahre mit einem Senior Vertriebler im Team zusammenarbeitete. Laufende Kommunikation und Abstimmung untereinander sind wichtig, denn die Projekte bei Münstermann laufen über mehrere Monate, manchmal Jahre. So kam es auch, dass Sophia in ihrer Zeit im Vertrieb eine technische Anlage verkaufte, für die sie einige Jahre zuvor selbst das Layout gezeichnet hatte. „Das ist schon spannend, was man alles schafft“, dachte sie damals, als sie auf der fertigen Anlage stehen durfte, die sie vom Layout bis zur Vertragsunterzeichnung begleitet hatte.
Bei Münstermann gibt es keinen Standard
Technische Anlagen zu konstruieren ist aber rückblickend etwas ganz anderes, als sie zu verkaufen, oder?
„Stimmt. Der Fokus im Vertrieb liegt auf der technischen Beratung. Im Kundengespräch erkenne ich die Bedarfe und versuche, eine möglichst einfache, kostengünstige Lösung zu entwickeln, die als funktionierende Anlage für den Kunden arbeitet“, erklärt Sophia. Das Zwischenmenschliche ist dabei sehr wichtig, um potenzielle Kunden davon zu überzeugen, dass Münstermann der richtige und verlässliche Partner ist. Aber die Frage, ob eine technische Idee umsetzbar ist, sei die eigentlich spannende Aufgabe, die stets gemeinsam mit den anderen Abteilungen bei Münstermann geprüft werde. „Jede Anlage ist anders, ebenso wie jeder Kunde anders ist. Ich hatte es täglich mit viel Entwicklungsarbeit zu tun, denn bei Münstermann gibt es keinen Standard“, betont sie. Und genau diese immer wieder neuen Herausforderungen haben es ihr angetan. So strukturiert sie jetzt die Marketingprozesse um und beschäftigt sich mit der Einführung des neuen CRM-Systems. Ein Videodreh zur Vorstellung des noch jungen Tochterunternehmens von Münstermann in den USA sowie der Messeauftritt auf der ACHEMA standen bereits auf ihrer Agenda.
„Ich habe meinem Vater schon als Kind immer Löcher in den Bauch gefragt, wie alles funktioniert, aber dass ich selbst einmal begeistert durch Fertigungshallen laufe und technische Anlagen realisiere, hätte ich lange Zeit auch nicht gedacht“, berichtet sie. Zu verdanken hat sie ihre berufliche Entwicklung nicht zuletzt einer Freundin, die sie damals auf den gemeinsamen Infoabend der Fachhochschule Münster und Münstermann aufmerksam gemacht hatte. „Vorher wusste ich gar nicht, dass ein duales Studium auch bei einem mittelständischen Unternehmen möglich ist“, erinnert sich Sophia. Im Marketing wird sie nun selbst mit dafür sorgen, Münstermann als attraktiven Arbeitgeber für Fachkräfte und als Lösungsentwickler für potenzielle Kunden zu präsentieren. Dafür sind ihr Kommunikation und der Teamgedanke sehr wichtig.
Vertrauensvolle Kundenbeziehungen
Aus ihrer Vertriebszeit bei Münstermann ist ihr ein Projekt besonders in Erinnerung geblieben, das sie bei einer Ausschreibung für das Unternehmen gewinnen konnte. Anfangs sah es gar nicht danach aus: Der Kunde hatte sich eigentlich schon für ein anderes Unternehmen entschieden, es waren nur noch wenige Wochen bis zur Angebotsabgabe und doch hat Sophia es geschafft, den Kunden von ihrer technischen Lösung zu überzeugen. „Ich war danach an einem deutlich größeren Projekt beteiligt, welches wir ebenfalls gewinnen konnten. Aber das kleinere, eigentlich aussichtslose Projekt liegt mir besonders am Herzen, weil dadurch eine sehr vertrauensvolle Kundenbeziehung entstanden ist.“
„Es gibt noch so viel Potenzial, gemeinsam mit Münstermann weiter zu wachsen“, weiß die Frau, die stets die beste Lösung sucht, und hat dabei schon das nächste Projekt im Kopf.
Was ist die größte Herausforderung, die deine neue Position als Leitung Marketing mit sich bringt?
Ich darf und muss manche Entscheidungen jetzt einfach allein treffen. Das ist noch etwas ungewohnt. Das Marketing bei Münstermann ist als Schnittstelle sehr eng an Vertrieb, Service und die Geschäftsführung angebunden. Als starkes Team entwickeln wir die gemeinsame Richtung für Münstermann. Und meine Hauptaufgabe ist es jetzt, die dafür nötige Marketingstrategie auszuarbeiten, damit wir unsere Zielgruppen – Kunden wie Fachkräfte – erreichen.
Was rätst du jungen Frauen, die sich für die Metallbranche interessieren?
Probiert euch aus! Die Metallbranche ist so vielfältig, es gibt so viele verschiedene Bereiche. Ich konnte als Schülerin im naturwissenschaftlichen Bereich ein duales Praktikum machen, was mir sehr geholfen hat. Wichtig ist, sich nicht selbst nur wegen einer schlechten Mathe-Note in der Berufswahl einzuschränken. Mädchen können genauso gut mit dem Blaumann arbeiten wie Jungs – ich selbst war während meiner Ausbildung auch eine Zeit in der Fertigung und durfte dort bohren und schweißen. Ich fand es so toll, dass ich bei Münstermann sogar gefragt habe, ob ich den Ausbildungsberuf wechseln könne, um Metallbauerin zu werden. Im Nachhinein bin ich aber froh, dass ich bei meiner ersten Wahl geblieben bin.