Oliver Koch

In jede Anlage reindenken

Schalten ist Oliver Kochs Ding. Er ist gelernter Energieanlagenelektroniker und Meister. Bei Münstermann ist er in der Automatisierung tätig und dafür zuständig, dass die Anlagen laufen. Was er für die Schaltanlagenkonstruktion alles im Blick hat und was die absolute Katastrophe für ihn wäre, berichtet der 57-Jährige.

„Jede Anlage elektrotechnisch durchbringen“ – das ist der Job von Oliver und seinem neunköpfigen Team bei Münstermann. Seit 19 Jahren ist er beim Sonderanlagenbauer und hat hier zunächst als Elektrotechniker angefangen, ehe er Gruppenleiter in der Hardwarekonstruktion wurde. „Damals hat man hier als Allrounder noch alles gemacht. Heute sind wir viel mehr spezialisiert und haben in der Automatisierung mehrere Gruppen wie Elektro, Robotik, Inbetriebnahme usw.“, erzählt er. Früher war sein Bereich noch unter der gängigen Abkürzung „MSR“ bekannt (Messen-Steuern-Regeln), doch Oliver selbst bevorzugt den Begriff der Automatisierung.

 

Vor nichts Neuem bange

Im sogenannten P&ID-Diagramm (Pipe & Instrumentation Diagram) werden sämtliche Rohrleitungs- und Instrumentendetails einer Anlage dargestellt. „So haben wir in einer Zeichnung alle Energieströme in der Übersicht. Ob Luft, Gas oder einzelne Ventile“, erklärt Oliver. Steuerungsoptimierungen sind das A und O, um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein und das Beste aus jeder Anlage herauszuholen, weiß er. Und dank der Zeichnungen lässt sich jede Anlage in kleine Teile zerlegen und an der gewünschten Stelle optimieren.

Schwierigkeiten gibt es in seinem Beruf immer und jeder Tag bringt neue Herausforderungen mit sich. Doch das Schöne für ihn sei, dass bei Münstermann eben nichts von der Stange sei, sondern „eher eine Manufaktur“. „Wir sind vor nichts Neuem bange und wirklich innovativ“, betont Oliver. Die Schaltanlagenkonstruktion bzw. Steuerungsplanung liegt bei ihm und seinem Team. Für den eigentlichen Schaltschrankbau und die Installation auf der Baustelle arbeitet Münstermann mit festen Partnern zusammen. So ein Schaltschrank kann gut 15 bis 20 Meter breit sein. Aktuell plant Münstermann jedoch erstmals die Elektrotechnik selbst, um die Wertschöpfung auch für diesen Bereich künftig im Unternehmen zu haben.

Die Kundenanforderungen mit Blick auf die Automatisierung nehmen stetig zu: „Unsere Anlagen stehen beim Kunden oft in Linie, sodass wir andere Anlagen mit einbinden müssen. Zudem gibt es immer mehr Auflagen und Kundenanforderungen – da muss man sich in jede Anlage reindenken. Und das macht Spaß und hält es so interessant“, so Oliver über seinen Job.

 

Anwendungsspezifische Automatisierungssysteme

Er weiß, wovon er spricht, denn vor Münstermann war er in der Textilbranche tätig. Dort hatte er den Auftrag, bereits bestehende Maschinen am Laufen zu halten. Durch seinen Wechsel zu Münstermann baut er selbst neue Maschinen und bringt diese erstmals zum Laufen – passend zum individuellen Kundenwunsch. „Anwendungsspezifische Automatisierungssysteme entwickeln“, heißt das offiziell und meint, dass Oliver und sein Team Lösungen entwickeln, die es bisher noch nicht oder nur unbefriedigend gab. „Unsere Kunden wissen meist genau, was sie wollen. Und wenn sie es noch nicht wissen, dann probieren wir gemeinsam mit ihnen in unserem Technikum aus, was so geht“, lacht er.

Das Ungewöhnlichste, das er bisher mitgebaut hat bei Münstermann? „Das war ein Kabelteller von einem Seekabel mit 35m Durchmesser“, erinnert sich Oliver. Die Regel sind Thermoprozessanlagen, Fördertechnik sowie Härteöfen. „Davon haben wir schon etliche gebaut und bearbeiten immer mehrere Projekte parallel.“

Spannend sei das vor allem auch wegen der Kunden aus der ganzen Welt. So finden Gespräche mit Kunden in den USA eher am Spätnachmittag statt. In Kürze startet eine Baustelle in Taiwan und mit Australien kommt bald ein neuer Kontinent zum Kundenportfolio von Münstermann hinzu. „Da werden sich die Arbeitszeiten etwas verschieben. Wir sind aber ohnehin sehr flexibel was Gleitzeit und Homeoffice angeht“, erklärt Oliver.

Und die Katastrophe für ihn? „Wenn wir eine Anlage nicht zum Laufen bringen würden. Aber das ist noch nie passiert“, lächelt Oliver stolz und man merkt ihm an, dass dies auch keine Option wäre. 

 

Bist du als Gruppenleiter bei Münstermann noch selbst handwerklich tätig?

Selbst habe ich den Schraubenzieher nur noch selten in der Hand. Dafür gibt es für mich als Gruppenleiter viel zu viel vorzudenken, abzusprechen und zu entscheiden. Sei es mit anderen Gruppen- oder Abteilungsleitern oder unseren Kunden. Aber zu Hause, da bin ich der Hausmeister im Familienbetrieb.

 

Wie ist der Start für Neue im Team Münstermann?

Bei Münstermann haben wir ein sehr gutes Onboarding und lernen natürlich an. Am Anfang wirkt für Neue alles riesig und kraftvoll bei uns, da muss man erst einmal durchsteigen. In der Automatisierung sind wir bislang ein reines Männerteam. Hier würde ich mich perspektivisch sehr über Kolleginnen freuen.