Christian Hagedorn

Das hier ist echte Gruppenarbeit

„Wie stellen wir das ganze Ding hin?“, das fragt sich Christian Hagedorn als erstes, wenn ein neuer Ofen gebaut werden soll. Als Vorarbeiter hat er für sein zwölfköpfiges Team alles im Blick: Welche Baugruppe kann schon starten? Was wird erst später angepackt? „Den Plan umzuschmeißen ist die Regel“, lacht Christian, der schon einiges gewohnt ist. Erst kürzlich gab es Lieferschwierigkeiten eines Zulieferers und so müssen jetzt drei Baugruppen parallel gebaut werden. Der Plan lautete: eine nach der anderen. Der rund 50 Meter lange Härteofen für Glaswolle, an dem sie gerade arbeiten, muss bis Februar fertig sein. Dann geht er zum Kunden in die USA. „Da stecken schon etliche Arbeitsstunden drin. Wir liegen aber gut im Plan“, sagt Christian zuversichtlich. „Das hier ist echte Gruppenarbeit. Was man hier macht, macht man nicht allein“, betont er mit Blick auf die Münstermänner um sich herum.

 

Zwischen Halle und Hof

Allein gelassen wird hier niemand. Denn auf die privaten Belange wird bei Münstermann Rücksicht genommen. Seien es Kinder, Ehrenamt oder der landwirtschaftliche Betrieb. „Ich habe gleich noch zu Hause zu tun. Da wissen alle Bescheid und es ist kein Problem, wenn ich heute früher gehe“, erklärt Christian, wie er es schafft, seine Arbeit bei Münstermann flexibel mit der Arbeit auf dem Hof zu Hause zu vereinen. Vor allem im Sommer sei das wichtig, wenn der Drescher ruft. Weiter weg möchte er für Münstermann deshalb gar nicht unterwegs sein und erzählt: „Ich bin auch schon auf Baustellen mit losgewesen. In Mazedonien war das, aber ich bin lieber zu Hause beim Betrieb und meinem Freundeskreis.“ Morgens um 6 Uhr fängt er an und ist meist um halb vier zu Hause, freitags noch eher. „Schön früh, da schafft man noch was“, freut er sich über seine Arbeitszeiten.  

Ursprünglich wollte Christian Landmaschinentechniker werden. Dafür hat er allerdings keine Ausbildungsstelle gefunden. Münstermann sei ihm damals empfohlen worden; selbst kannte er den Sonderanlagenbauer noch nicht. Früher gab es auch noch keine der zahlreichen Schulkooperationen – das habe sich erst danach aufgebaut und sei aus seiner Sicht total gut. „Ich war damals in den Osterferien drei Tage zum Probearbeiten hier. Da wurde ich direkt in kleinere Aufgaben eingebunden. Und dann konnte ich mit 16 Jahren frisch von der Realschule meine Ausbildung zum Metallbauer starten“, erinnert er sich zurück. Aufgrund seiner Erfahrungen mit ersten Schlossertätigkeiten schon im frühen Jugendalter, konnte er seine Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen und wurde dabei von Münstermann auf ganzer Linie unterstützt. Heute hat er selbst drei Auszubildende im Team. Die ersten Gesellen aus seiner Anfangszeit gehen jetzt nach und nach in Rente. Mit dem firmeneigenen 3D-Drucker haben er und sein Team einem Kollegen einen kleinen Härteofen als persönliches Abschiedsgeschenk erstellt, berichtet er nachdenklich und betont: „Das Untereinander hier ist echt ganz gut!“

 

„Ohne Maßband geht hier gar nichts“

Für jeden Ofen erhält Christians Team die passenden Zeichnungen in Aktenordnern. „Das können schon mal 10 bis 15 Ordner voller Zeichnungen sein inkl. Stücklisten“, erklärt Christian. Zusätzlich kann er sich die Zeichnungen in 3D auf dem Tablet aufrufen. „Das ist sehr hilfreich, weil wir auch im Programm direkt messen können.“ Doch was auf keinen Fall fehlen darf, sei sein Maßband. „Wir müssen ja genau schauen, wo die nächste Bohrung hinkommt. Ohne Maßband geht hier gar nichts“, erklärt er und zieht zum Beweis etwas aus dem Blaumann: Ein Rollmaßband aus Stahl mit einer Länge von 5 Metern. „Wir haben auch noch längere“, lacht er.

 Aktenordner und Maßband hört sich nicht nach KI und Robotik an. Doch auch davon hat Münstermann einiges zu bieten. „Es geht bei uns immer mehr in die Richtung, aber echte Handwerker werden immer gebraucht“, ist sich Christian sicher. Für Kleinteile in großer Stückzahl kommt bei Münstermann bereits der Schweißroboter zum Einsatz. Das sei bislang aber nur bei immer wiederkehrenden gleichen Aufgaben sinnvoll. „Hier in der Produktion ist es jedes Mal anders – kein Ofen ist wie der andere“, weiß Christian aus Erfahrung.

 

Was ist der Vorteil einer Ausbildung im Handwerk?

Wenn man erst einmal eine handwerkliche Ausbildung macht, dann kann man schon mal was. Damit hat man später eine ganz andere Perspektive. Nach etwas Berufserfahrung kann man sich immer noch weiterbilden, studieren oder seinen Meister machen.

 

Du bist mit Münstermann groß geworden. Was ist heute anders als früher?

Wir haben uns in meiner Zeit hier mehr als verdoppelt. Heute sind wir 350 Münstermänner und haben mit Telgte einen zweiten Standort dazubekommen. Persönliche Absprachen sind mir die liebsten, die sind aber schwieriger geworden. Ich bin nicht so der Freund von Mails.